Die faulen Angestellten im Öffentlichen Dienst

Michael Bloch hat sich in seinem Blog über die frechen und asozialen Angestellten im Öffentlichen Dienst aufgeregt, die ja momentan gegen 42-Stunden-Woche (in Bayern, sonst 40) und Kürzungen beim Weihnachtsgeld streiken. Das hat mich so aufgeregt, dass ich einen Kommentar geschrieben habe, den ich hier auch mal als Statement poste:

Warum ich streikende Krankenschwestern voll und ganz verstehe

Allgemein bin ich der Meinung, dass der öffentliche Dienst ruhig ein bisschen abspecken kann. Aber in manchen Bereichen bedeutet die 42-Stunden-Woche (die ja in Bayern bevorsteht) eine Katastrophe:
In meinem Bekanntenkreis arbeiten einige als Krankenschwester an einer Uniklinik. Dort müssen sie die Fehler von Ärzten in der Ausbildung kompensieren, 150-Kilo-Patienten durch die Gegend wuchten, großkotzigen Privatpatienten in den Allerwertesten kriechen, dahinsiechende, sterbende Menschen begleiten, eine überbordende Bürokratie mit Dokumentation füttern – und erhalten da (laut einer Bild-Titelseite) ungefähr soviel wie eine Friseuse (~ 2000 Euro brutto oder so). Für die Verantwortung, die sie haben, für das notwendige Wissen, das sie brauchen und für die seelische Belastung, der sie ausgesetzt sind, definitiv ein Hungerlohn.

Vor kurzem hat die Uniklink eine neue Einsparmöglichkeit gefunden: Die Schichten am Tag werden um eine Stunde verkürzt auf 6,5 Stunden. Dadurch reduziert sich die Überlappung am Mittag, wenn Früh- und Spätschicht Übergabe machen. Also wird im Ganzen weniger Personal gebraucht. Den Krankenschwestern bringt die Stunde weniger pro Tag gar nichts – viel kann man damit nicht anfangen, und dafür muss man öfter arbeiten.

Wenn jetzt die 42-Stunden-Woche kommt, kann man ganz einfach ausrechnen, dass die Krankenschwestern abwechselnd sechs und sieben Tage in der Woche arbeiten müssen, um auf die 42 Stunden zu kommen. Für Freizeit, Familie und Ehrenamt bleibt da nicht viel übrig.

Solche Arbeitszeiten kann ich mir vielleicht als Selbständiger zumuten, der dann auch entsprechend verdient und dies eventuell später durch einen langen Urlaub ausgleichen kann. Ob ich in ein Krankenhaus gehen will, wo Ärzte und Pflege unter den oben geschilderten Bedingungen vegetieren, stelle ich mal in Frage. Ich habe schon von mehr als einem Fall gehört, wo ein Patient gestorben ist, weil die Krankenschwestern überarbeitet waren, und dann irgendetwas übersehen wurde. Und die Situation wird definitiv nicht besser.

Natürlich gibt es auch Stationen, wo die Pfleger den halben Tag Kaffee trinken. Das ist aber weder die Regel noch ein Maßstab. Und wirklich reich wirst Du als Krankenschwester nicht – ein BMW-Mitarbeiter verdient viel mehr, bei weniger Wissen, weniger Verantwortung und ohne Burn-Out-Syndrom im Nacken.

Musste mal gesagt werden…

Raphael

UPDATE (14:12 Uhr): Michael Bloch hat ebenfalls hier und in seinem Blog geantwortet. Und ich natürlich auch wieder was entgegnet. Aber nur noch in seinem Blog. Sonst wird's wohl unübersichtlich…

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2 Comments

  1. anonymous

     /  February 16, 2006

    Michael Bloch writes:So, dazu muß ich jetzt auch noch was antworten:Hm, ok, es kommt halt immer auf den Blickwinkel an. Ich persönlich hätte sehr gerne eine 42-Stunden-Woche. Das hieße nämlich, daß ich nach 42 Stunden aufhören könnte zu arbeiten. Genau so hätte ich auch gerne das Gehalt einer Krankenschwester – seit langem verdiene ich leider weniger. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß man nur weil man selbständig ist automatisch viel verdient und die Möglichkeit hat lange Urlaub machen zu können. Leider kann ich auch nicht mal eben meinen Laden dicht machen und mir einen Angestellten-Job suchen, bei dem ich a) sozial abgesichert bin und b) auch mal einen tag fehlen kann, wenn ich 40° Fieber habe. Ich trage nämlich auch noch die Verantwortung für ein paar Mitarbeiter mit, die dann nämlich auf der Straße stünden.Für mich als Selbständigen mit einer 50-60 Stunden Woche und einem Gehalt von weniger als dem einer Krankenschweseter, neben dem drohenden Burn.Out-Syndrom im Nacken auch noch das Damoklesschwert der ständig möglichen Insolvenz über mir klingen die Proteste der öffentlichen Dienstler wie blanker Hohn. Ich würde verdammt gerne tauschen wollen mit jemandem im öffentlichen Dienst – aber die leider nicht mit mir, denn zu den Bedingungen, zu denen ich arbeite wollen die ganz bestimmt nicht arbeiten.

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  2. anonymous

     /  February 21, 2006

    Thorsten Gowik writes:Was allerdings Äpfel mit Birnen vergleichen ist… Wenn du schlecht Verdienst bei guter Auftragslage hast du dich zum Dumping Preis angeboten und da kann dir auch keiner Helfen.

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