Premiere

Es gibt zwei schöne, neue Entwicklungen, vor denen sich jeder Universitätsprofessor – und damit auch jeder seiner Mitarbeiter – fürchtet:

Klagen von Studenten wegen Formfehlern. Durch die sehr viel stärker formalisierten Bachelor-Studienordnungen wird der Spielraum bei Gestaltung und Bewertung von Übungen und Klausuren extrem eingeschränkt. Falls nun auch nur ansatzweise etwas gefordert wird, das über die Beschreibung in der Studienordnung hinausgeht, könnte ein Student klagen. Weil jede Note im Bachelor-Studium in die Endnote eingeht, ist eventuell auch ein gewisser Anreiz da, die Rechtsschutzversicherung mal anzurufen. Ob das jemals ein Student machen wird, weiß ich nicht. Es ist hier wie mit den Terroristen: Es wird wohl nie passieren, aber Angst haben kann man trotzdem.

Gesteigertes Anspruchsdenken. In den letzten Jahren haben viele Bundesländer Studienbeiträge (vulgo: Studiengebühren) eingeführt. Aus Sicht eines lehrenden Mitarbeiters haben diese Studienbeiträge drei Effekte:

  • Ein bisschen mehr Geld für zusätzliche Tutoren und die ein oder andere Anschaffung zur Verbesserung der Lehre.
  • Viel weniger Zeit und Engagement seitens der Studenten
  • Deutlich höhere Ansprüche an die Lehrstühle bezüglich Service, Ausstattung, etc.

Heute kam jetzt zum ersten Mal das Argument, auf das ich schon seit April 2007 gewartet habe:

[…] ich sehe nicht ein dass ich für 592 euro Studiengebühren an ein Rechner nicht komme!!!!

Hintergrund war, dass ich einer Studentin Reservierungen für einen Labor-Arbeitsplatz gestrichen habe, da sie sich nicht an die Regeln für die Reservierung hielt. Ihre Reservierung hätte außerdem andere Studenten erheblich beeinträchtigt.

Previous Post
Leave a comment

2 Comments

  1. anonymous

     /  July 8, 2008

    Suomy Nona writes:

    Ja, ist schon schrecklich, wenn Studenten von dem Lehrpersonal erwarten, dass sie anständige Arbeit leisten und fair benoten. Eine Zumutung, dass man jetzt alles anständig benoten muss, weil ja jetzt jede Note in die Endnote eingeht, und noch viel unzumutbarer ist es, wenn sich ein Student erdreistet, sein Recht auf eine faire Benotung einzuklagen.Immer gut zu wissen, dass es am Lehrstuhl eine abwertende Einstellung gegenüber den Studenten und deren Ansprüchen gibt. Weiter so, da wird ein Schuh draus!

    Reply
  2. raphman

     /  July 8, 2008

    Was ich hier schreibe ist ganz allein meine persönliche Sicht, nicht die des Lehrstuhls. Auch müssen meine persönlichen Meinungen nicht unbedingt Auswirkungen auf meine Arbeit haben.Bei uns am Lehrstuhl gab es immer und gibt es faire Noten. Wir machen es uns definitiv nicht zu leicht. Natürlich kann es immer mal sein, dass Deine Einschätzung und die des Professors auseinanderliegen. Dann steht es Dir frei, dich zu beschweren und notfalls auch gegen eine schlechte Note zu klagen. Was ich schade finde ist, dass der kreative Spielraum durch die Bachelor-Ordnung eingeschränkt wird.Zum Beispiel kann man in Modulen, für die es eine Note gibt, keine Gruppenarbeit mehr machen, da ja dann Studenten benachteiligt wären, die in eine schlechte Gruppe kommen. Bei der Benotung darf man vielleicht keine Sonderpunkte für eine besonders schöne Lösung geben. Auch bei Noten auf kreative Aufgaben bewegt man sich immer auf dünnem Eis. Bei diesen ist eine absolut nachvollziehbare und einheitliche Benotung nicht möglich. Und weil Professoren und Mitarbeiter sowieso schon genügend zu tun haben, verzichtet man im Zweifelsfall lieber auf eine nette Aufgabe, als dass man hinterher über deren Benotung streiten muss. Dass die Lehre (und das was Du im Studium lernst) durch den Bachelor und die studienbegleitenden Noten besser wird, sehe ich nicht. Wobei sich meine Aussagen auf das MI-Studium beziehen und nicht unbedingt auf andere Studiengänge übertragbar sind.Eine "abwertende Einstellung gegenüber den Studenten und deren Ansprüchen" habe ich nicht, hat kein Mitarbeiter am Lehrstuhl und kann ich aus meinem Blogeintrag auch nicht herauslesen.Ich schildere zum Thema Studienbeiträge bloß drei Effekte, die ich beobachtet habe. Ich kann verstehen, dass man als Student jetzt weniger Zeit für sein Studium hat, weil man mehr arbeiten muss. Und ich kann (zu einem gewissen Grad) verstehen, dass man – wenn man schon dafür zahlt – auch mehr Service fordert. Trotzdem muss ich diese Effekte an sich nicht gut finden.EDIT(09.07.08, 10:00): Zwei Tippfehler ausgebessert

    Reply

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: